ausgewählte lyrik

Montag, 15. Oktober 2007

L'amour la poésie

auszüge aus L'amour la poésie von paul eluard


XI

Sie weiß nicht wie man Fallen stellt
Ihre Blicke sehen ihre Schönheit
So einfach so einfach verführen
Und es sind ihre Augen die sie fesseln
Und auf mich stützt sie sich
Und über sich selbst wirft sie
Das Flugnetz der Liebkosungen.



XIII

Liebende mit dem Geheimnis hinter deinem Lächeln
Ganz nackt die Worte der Liebe
Entblößen deine Brüste deinen Hals
Und deine Hüften deine Lider
Enthüllen all die Zärtlichkeiten
Damit die Küsse in deinen Augen
Nur dich zeigen nur ganz dich.



XIV

Der Schlaf hat deinen Abdruck angenommen
Und färbt ihn mit deinen Augen.



XV

Sie beugt sich über mich
Das unwissende Herz
Um festzustellen ob ich sie liebe
Sie hat Vertrauen sie vergißt
Unter den Wolken ihrer Lider
Schläft ihr Kopf in meinen Händen ein
Wo sind wir
Zusammen unzertrennlich
Lebend lebend
Ich lebe sie lebt
Und mein Kopf rollt in ihren Träumen.



XVII

Mit einer einzigen Liebkosung
Bringe ich deinen ganzen Glanz zum Glänzen.



XX

Tagesanbruch ich liebe dich ich habe die ganze Nacht in meinen Adern
Die ganze Nacht lang habe ich dich angeschaut
Ich habe alles zu erraten der Dunkelheit bin ich mir sicher
Sie gibt mir die Macht
Dich einzuhüllen
Dich zu bewegen Lebenswille
Im Schoße meiner Unbeweglichkeit
Die Macht dich zu enthüllen
Dich zu befreien dich zu verlieren
Am Tage unsichtbare Flamme.

Wenn du weggehst öffnet sich die Tür zum Tag
Wenn du weggehst öffnet sich die Tür zu mir selbst



XXI

Unsere Augen weisen sich das Licht zu
Und das Licht die Stille
Um sich nicht mehr zu erkennen
Um die Abwesenheit zu überleben.



XXIII

Reise der Stille
Von meinen Händen zu deinen Augen

Und in deinem Haar
Wo die Töchter der Weide
Sich an die Sonne schmiegen
Bewegen sich die Lippen
Und lassen den vierblättrigen Schatten
Ihr warmes Schlafherz erobern.



XXV

Ich habe mich von dir getrennt
Doch kam die Liebe mir zuvor
Und als ich die Arme ausstreckte
Hat sich der Schmerz noch bitterer eingenistet
Die ganze Wüste zum Getränk

Um mich von mir selbst zu trennen.



XXVIII

Rote Liebende
Um dein Vergnügen zu teilen
Nehme ich die Farbe des Schmerzes an.

Ich habe gelebt du schließt die Augen
Du schließt dich in mir ein
Nimm doch das Leben an.

Alles was sich wiederholt ist unverständlich
Du wirst in einem Spiegel geboren
Vor meinem alten Bild.



XXIX

Ein Gesicht müßte
auf alle Namen der Welt antworten.

Gacela der verzweifelten Liebe

Die Nacht will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen,
auch wenn eine Skorpionsonne mir die Schläfe auffrißt.

Aber du wirst kommen
mit deiner vom Salzregen verbrannten Zunge.

Der Tag will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen
und meine zerbissene Nelke den Kröten überlassen.

Aber du wirst kommen
durch die trübe Kloake der Dunkelheit hindurch.

Weder Nacht noch Tag wollen kommen,
damit ich für dich sterbe
und du für mich stirbst.


Federico García Lorca

Freitag, 12. Oktober 2007

Ich geh unter lauter Schatten

Was ist denn das für eine Zeit –
Die Wälder sind voll von Traumgetier.
Wenn ich nur wüsste, wer immer so schreit.
Weiss nicht einmal, ob es regnet oder schneit,
ob du erfrierst auf dem Weg zu mir –

Die Wälder sind voll von Traumgetier,
ich geh unter lauter Schatten –
Es sind Netze gespannt von dir zu mir,
und was sich drin fängt, ist nicht von hier,
ist, was wir längst vergessen hatten.

Wenn ich nur wüsste, wer immer so schreit?
Ich sucht ihm ein wenig zu geben
von jenem stillen Trunk zu zweit,
voll Taumel und voll von Seligkeit
würd ich den Becher ihm heben –

Weiss nicht einmal, ob es schneit oder regnet...
Sah die Sterne nicht mehr, seit ich dich verliess;
kenn den Weg nicht mehr, den du mir gesegnet,
und zweifle sogar, ob du mir begegnet –
Wer war denn das, der mich gehen hiess?

Aber, du findest doch her zu mir-?
Sieh, es wird Zeit, dass ich ende.
Die Wälder sind voll von Traumgetier
und ich darunter, bin nicht von hier...
Ich gäb alles, wenn ich dich fände!


Alexander Xaver Gwerder

Sonntag, 7. Oktober 2007

ALS DU HEUTE.....

als du heute weggingst mein herz
setzte ich meine Lippen an den Rand deines Glases
als du heute weggingst mein Herz
führte ich meine Hände durch die Täler
die deine Arme in unser Tischtuch gegraben hatten
als du heute weggingst mein Herz
sandte ich meine Tränen als Bächlein das bergauf flieszt
dir nach


f.mayröcker

Samstag, 29. September 2007

1580

Im Jahre 1580 macht sich Hinnerk Petersen in Oldenburg auf, den Nordpol zu erforschen. 200 Meter weiter, an der Ecke Altenweg/Neue Allee, biegt er falsch ab und landet Monate später in Italien. Bis zu seinem Tode sitzt er am Mittelmeer - es für das Eismeer haltend - und wartet, daß es zufriert.

Mittwoch, 26. September 2007

suchen wissen

ich was suchen
ich nicht wissen was suchen
ich nicht wissen wie wissen was suchen
ich suchen wie wissen was suchen

ich wissen was suchen
ich suchen wie wissen was suchen
ich wissen ich suchen wie wissen was suchen
ich was wissen


ernst jandl
aus "die bearbeitung der mütze"


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